LRS: "lieber richtig schreiben"
Schuhle, lehrnen, Feler... ab der 2. Klasse werden Lehrer und Eltern mit Schreibproben dieser Art konfrontiert. Glücklicherweise werden bei den meisten Schülern dank der pädagogischen Unterstützung engagierter und hilfsbereiter Erwachsener solche Produkte immer seltener. Einigen Kindern sowie ihren Eltern und Lehrern bleibt es aber nicht erspart, sich trotz großer Anstrengung mit immer den gleichen "unverständlichen" Fehlern auseinandersetzen zu müssen. Je nach theoretischer Ausrichtung sprechen pädagogische Fachleute dann von einer "Lese- und Rechtschreibschwäche" oder Legasthenie. In jedem Fall steckt darin eine ganze Menge Enttäuschung, Frustration und Resignation, was manche Kinder dazu bringt, den Schulbesuch grundsätzlich zu verweigern.
Gott sei Dank setzt sich in der Schulöffentlichkeit mehr und mehr die Überzeugung durch, dass es erstens auch für diese Kinder Möglichkeiten gibt, befriedigende Schreibresultate zu erzielen und sie zweitens einen Schulabschluss erreichen können, der ihrer allgemeinen Begabung entspricht. So hat die Förderung und Integration von Kindern mit LRS seit Bestehen unserer Schule einen hohen Stellenwert.
Als günstige Rahmenbedingungen haben sich erwiesen:
- 3 Stunden LRS-Förderung in Klasse 5
- 2 Stunden LRS-Förderung in Klasse 6
- 1 Stunde LRS-Förderung in Klasse 7
- Kleine Lerngruppen mit 6 - 10 Kindern
- Organisation der Förderung weitgehend parallel zum anderen Schulangebot,
- also kein zusätzlicher Stützunterricht
Inhaltlich orientiert sich unsere Förderung an dem Konzept des sogenannten "Syllabierenden Rechtschreibens" von Frau Dr. Buschmann. Die Kinder lernen dabei zunächst in spielerischer Form gleichzeitig in Silben zu sprechen und zu schreiben. Die rhythmische Aufgliederung von Wörtern nach Silben ermöglicht den Kindern die Erfahrung, dass sie einen gewissen Teil der Rechtschreibung sozusagen von alleine beherrschen, was ihre Motivation zum Schreiben beträchtlich vergrößert.
Weitere Bausteine des Förderunterrichts sind:
- Bearbeitung wichtiger Hilfsregeln (Ableiten, Verlängern)
- Arbeit mit speziellen Wortlisten am Computer und mit der Merkwortkartei
- Einsatz verschiedenster Übungsmaterialien (LÜK-Material, Rechtschreib- und Grammatikspiele)
- Regelmäßige in spezieller Form vorbereitete und durchgeführte Nachschriften
- Produktive Textarbeit mit Gedichten, Zeitungsartikeln u.s.w.

Ein Teil der Kinder wird schon nach einem halben Jahr deutlich sicherer in der Rechtschreibung. Für die meisten sehen wir es aber zu diesem Zeitpunkt schon als Erfolg an, wenn sie sich wieder ohne Vermeidungsstrategien an die Beschäftigung mit Texten machen. Der große Fortschritt zeigt sich erfahrungsgemäß nach ca. 1 ½ Jahren. Jetzt können auch im Deutschunterricht Noten erzielt werden, die früher nicht für möglich gehalten worden wären. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass einige wenige Kinder von ihrer Schreibunsicherheit ein Leben lang begleitet werden. Ihnen soll die LRS-Förderung helfen, das Beste aus ihrer Schwäche zu machen, sich nicht völlig unfähig und hilflos zu erleben und bei der Arbeit mit Texten auch Freude zu empfinden.
Durch die Erfahrung vieler Jahre können wir mit Überzeugung sagen, dass eine LRS/Legasthenie alleine noch kein ausreichender Grund ist, die Mittlere Reife oder das Abitur nicht zu erreichen. Vielmehr zeigt sich immer wieder, dass gerade diese Kinder zu besonderen Leistungen auf anderen Gebieten fähig sind.